Anzeige
Link-Tipp: Sie wollten schon immer wissen, wie hoch Ihr Intelligenzquotient (IQ) ist?
Machen Sie den anonymen wissenschaftlichen IQ-Test bei www.online-iq.de !

Ovid: Metamorphoses 6, 6 - Orythia

aus Latein Wiki, der freien Wissensdatenbank

675 Hic dolor ante diem longaeque extrema senectae
676 tempora Tartareas Pandiona misit ad umbras.
677 sceptra loci rerumque capit moderamen Erectheus,
678 iustitia dubium ualidisne potentior armis.
679 quattuor ille quidem iuuenes totidemque crearat
680 femineae sortis, sed erat par forma duarum.
681 e quibus Aeolides Cephalus te coniuge felix,
682 Procri, fuit; Boreae Tereus Thracesque nocebant,
683 dilectaque diu caruit deus Orithyia,
684 dum rogat et precibus mauult quam uiribus uti;
685 ast ubi blanditiis agitur nihil, horridus ira,
686 quae solita est illi nimiumque domestica uento,
687 et merito!' dixit; 'quid enim mea tela reliqui,
688 saeuitiam et uires iramque animosque minaces,
689 admouique preces, quarum me dedecet usus?
690 apta mihi uis est: ui tristia nubila pello,
691 ui freta concutio nodosaque robora uerto
692 induroque niues et terras grandine pulso;
693 idem ego, cum fratres caelo sum nactus aperto
694 (nam mihi campus is est), tanto molimine luctor,
695 ut medius nostris concursibus insonet aether
696 exsiliantque cauis elisi nubibus ignes;
697 idem ego, cum subii conuexa foramina terrae
698 supposuique ferox imis mea terga cauernis,
699 sollicito manes totumque tremoribus orbem.
700 hac ope debueram thalamos petiisse, socerque
701 non orandus erat mihi sed faciendus Erectheus.'
702 haec Boreas aut his non inferiora locutus
703 excussit pennas, quarum iactatibus omnis
704 adflata est tellus latumque perhorruit aequor,
705 puluereamque trahens per summa cacumina pallam
706 uerrit humum pauidamque metu caligine tectus
707 Orithyian amans fuluis amplectitur alis.
708 dum uolat, arserunt agitati fortius ignes,
709 nec prius aerii cursus suppressit habenas,
710 quam Ciconum tenuit populos et moenia raptor.
711 illic et gelidi coniunx Actaea tyranni
712 et genetrix facta est, partus enixa gemellos,
713 cetera qui matris, pennas genitoris haberent.
714 non tamen has una memorant cum corpore natas,
715 barbaque dum rutilis aberat subnixa capillis,
716 inplumes Calaisque puer Zetesque fuerunt;
717 mox pariter pennae ritu coepere uolucrum
718 cingere utrumque latus, pariter flauescere malae.
719 ergo ubi concessit tempus puerile iuuentae,
720 uellera cum Minyis nitido radiantia uillo
721 per mare non notum prima petiere carina.

675 Vor dem Tage bereits und dem Ziel langdauernden Alters
676 Sandte der Gram Pandion hinab zu des Tartaros Schatten.
677 Zepter und Herrschergewalt im Staat gewinnet Erechtheus,
678 Gleich durch rechtlichen Sinn und kräftige Waffen gewaltig.
679 Vier vom Männergeschlecht und Jungfraun ebenso viele
680 Hatt' er gezeugt; doch gleich war nur bei zweien die Schönheit.
681 Davon hatte beglückt den Kephalos, Aiolos' Enkel,
682 Prokris; vor Boreas warnt des Tereus Tat und die Thraker.
683 Lang entbehrte der Gott der geliebeten Orithya;
684 Während er fleht', und lieber mit Zärtlichkeit, als mit Gewalt kam.
685 Aber da schmeichelndes Flehn nichts fruchtete, straubig von Zorne,
686 Welcher gewöhnlich bereits und zu sehr einheimisch dem Wind ist:
687 Recht so! redet er, recht! Was ließ ich meine Geschosse,
688 Grausame Kraft und Gewalt und Zorn und trotzige Wildheit,
689 Und versuchte zu flehn? was mir am wenigsten ansteht!
690 Mir ziemt einzig Gewalt: mit Gewalt verjag' ich die Wolken,
691 Schüttle den Sund mit Gewalt und drehe die knotigen Eichen,
692 Härte den Schnee und geißle das Land mit geschmettertem Hagel.
693 Auch, wann ich etwa die Brüder im offenen Himmel erlange,
694 (Mein ist jenes Gefild'!) so machtvoll ring' ich und kämpf' ich,
695 Daß, von unsrer Begegnung gezwängt, laut donnert der Äther,
696 Und aus hohlem Gewölk das entschlagene Feuer hervorzuckt.
697 Doch wann nieder ich fahr' in gewölbete Klüfte des Erdreichs,
698 Meinen Rücken mit Trotz an die untersten Höhlungen stemmend;
699 Beben die Manen zugleich und die Lande der Welt von Erschüttrung.
700 Also sollt' ich gerüstet die Braut angehn, und zum Schwäher
701 Sollt' ich, statt zu erflehn, mit Gewalt erzwingen Erechtheus!
702 Als dies, oder nicht minder Erhabenes jener geredet,
703 Spreizt' er der Fittiche Schwung, der gewaltigen: daß von dem Wehen
704 Ringsum stürmte die Erd', und erschauderten weite Gewässer.
705 Über die Spitzen der Berg' hinziehend den staubigen Mantel,
706 Fegt' er den Grund; und der ängstlich erzitternden Orithya
707 Naht' er, in Dunkel gehüllt, und umschlang sie mit gelblichen Flügeln,
708 Und wie er flog, so entbrannte gefacht noch stärker das Herz ihm.
709 Und nicht hemmte der Räuber dem luftigen Laufe die Zügel,
710 Bis er erreicht der Cikonen Geschlecht und türmende Mauern.
711 Dort, Aktäerin, wardst du das Weib des frostigen Königs,
712 Auch Gebärerin bald; denn Zwillinge brachte dein Schoß ihm,
713 Die von der Mutter den Wuchs, und Fittiche trugen vom Vater.
714 Doch nicht sproßten zugleich, wie man sagt, mit dem Leibe die Flügel;
715 Sondern bevor sich der Bart zum bräunlichen Haare gesellte,
716 Wandelten Zethes der Knab' und Kalaïs ohne Gefieder.
717 Bald nun keimten die Kiele zugleich, wie gebrüteten Vöglein,
718 Flaumig um jegliche Seit', und zugleich ergilbten die Wangen.
719 Aber sobald vor der Jugend die Knabenjahre zurückflohn;
720 Jetzt mit den Minyern holend das Vlies von strahlenden Zotteln,
721 Trug sie das erste Schiff durch unbefahrene Meerflut.

zurück: Ovid: Metamorphoses 6, 5 - Prokne und Philomela
weiter: Ovid: Metamorphoses 7, 1 - Medea
'Persönliche Werkzeuge
Google-Anzeigen