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Ovid: Metamorphoses 6, 3 - Die Frösche

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313 Tum uero cuncti manifestam numinis iram
314 femina uirque timent cultuque inpensius omnes
315 magna gemelliparae uenerantur numina diuae;
316 utque fit, a facto propiore priora renarrant.
317 e quibus unus ait: 'Lyciae quoque fertilis agris
318 non inpune deam ueteres spreuere coloni.
319 res obscura quidem est ignobilitate uirorum,
320 mira tamen: uidi praesens stagnumque locumque
321 prodigio notum. nam me iam grandior aeuo
322 inpatiensque uiae genitor deducere lectos
323 iusserat inde boues gentisque illius eunti
324 ipse ducem dederat, cum quo dum pascua lustro,
325 ecce lacu medio sacrorum nigra fauilla
326 ara uetus stabat tremulis circumdata cannis.
327 restitit et pauido "faueas mihi!" murmure dixit
328 dux meus, et simili "faueas!" ego murmure dixi.
329 Naiadum Faunine foret tamen ara rogabam
330 indigenaene, dei, cum talia rettulit hospes:
331 "non hac, o iuuenis, montanum numen in ara est;
332 illa suam uocat hanc, cui quondam regia coniunx
333 orbem interdixit, quam uix erratica Delos
334 orantem accepit tum, cum leuis insula nabat;
335 illic incumbens cum Palladis arbore palmae
336 edidit inuita geminos Latona nouerca.
337 hinc quoque Iunonem fugisse puerpera fertur
338 inque suo portasse sinu, duo numina, natos.
339 iamque Chimaeriferae, cum sol grauis ureret arua,
340 finibus in Lyciae longo dea fessa labore
341 sidereo siccata sitim collegit ab aestu,
342 uberaque ebiberant auidi lactantia nati.
343 forte lacum mediocris aquae prospexit in imis
344 uallibus; agrestes illic fruticosa legebant
345 uimina cum iuncis gratamque paludibus uluam;
346 accessit positoque genu Titania terram
347 pressit, ut hauriret gelidos potura liquores.
348 rustica turba uetat; dea sic adfata uetantis:
349 quid prohibetis aquis? usus communis aquarum est.
350 nec solem proprium natura nec aera fecit
351 nec tenues undas: ad publica munera ueni;
352 quae tamen ut detis, supplex peto. non ego nostros
353 abluere hic artus lassataque membra parabam,
354 sed releuare sitim. caret os umore loquentis,
355 et fauces arent, uixque est uia uocis in illis.
356 haustus aquae mihi nectar erit, uitamque fatebor
357 accepisse simul: uitam dederitis in unda.
358 hi quoque uos moueant, qui nostro bracchia tendunt
359 parua sinu,' et casu tendebant bracchia nati.
360 quem non blanda deae potuissent uerba mouere?
361 hi tamen orantem perstant prohibere minasque,
362 ni procul abscedat, conuiciaque insuper addunt.
363 nec satis est, ipsos etiam pedibusque manuque
364 turbauere lacus imoque e gurgite mollem
365 huc illuc limum saltu mouere maligno.
366 distulit ira sitim; neque enim iam filia Coei
367 supplicat indignis nec dicere sustinet ultra
368 uerba minora dea tollensque ad sidera palmas
369 aeternum stagno' dixit 'uiuatis in isto!'
370 eueniunt optata deae: iuuat esse sub undis
371 et modo tota caua submergere membra palude,
372 nunc proferre caput, summo modo gurgite nare,
373 saepe super ripam stagni consistere, saepe
374 in gelidos resilire lacus, sed nunc quoque turpes
375 litibus exercent linguas pulsoque pudore,
376 quamuis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant.
377 uox quoque iam rauca est, inflataque colla tumescunt,
378 ipsaque dilatant patulos conuicia rictus;
379 terga caput tangunt, colla intercepta uidentur,
380 spina uiret, uenter, pars maxima corporis, albet,
381 limosoque nouae saliunt in gurgite ranae."'

313 Da nun fürchten gesamt so Männer wie Frauen der Gottheit
314 Sichtbar rächenden Zorn, und eifriger dienend verehren
315 Alle die göttliche Macht der Zwillingsmutter Latona.
316 Und, wie es geht, man kommt von dem Neuen auf Altes zu sprechen.
317 Einer von ihnen beginnt: In des fruchtbaren Lykiens Äckern
318 Trotzeten auch vordem nicht straflos Bauern der Göttin.
319 Zwar ist dunkel die Tat, wie selbst die Männer; allein doch
320 Wunderbar. Ich sah in Person den sumpfigen Weiher,
321 Wo das Wunder geschah. Denn mein schon alternder Vater,
322 Schwach für weitere Wege, befahl mir, ihm die erlesnen
323 Rinder daher zu holen; und gab mir einen Geleiter
324 Mit aus dem Lyciervolk. Da zugleich wir die Triften umwandeln;
325 Denkt doch! mitten im See, von Opferasche geschwärzet,
326 Stand ein alter Altar, umgrünt von zitterndem Rohre.
327 Stehen blieb der Gefährt', und: Gnade mir! flüstert' er ängstlich
328 Gegen den See; und sogleich: o Gnade mir! flüstert' ich selber.
329 Ist der Altar der Najaden? so fraget' ich; oder des Faunus?
330 Oder des örtlichen Gottes? Zur Antwort sagte der Fremdling:
331 Nein, nicht wohnet, o Jüngling, ein Berggott hier im Altare.
332 Jene nennt ihn den ihren, der einst die Königin Juno
333 Ganz die Erde verbot, der kaum die irrende Delos
334 Gab die erbetene Ruh', als leicht noch die Insel umherschwamm.
335 Dort, an die Palme gelehnt, und den Baum der Pallas, genas sie,
336 Der Stiefmutter zum Trotz, von Zwillingen endlich, Latona.
337 Dort auch entfloh, wie man sagt, die Gebärerin ängstlich vor Juno,
338 Tragend im eigenen Busen die neugeborenen Götter.
339 Schon in das Land der Chimära, in Lycia kam sie, von langer
340 Arbeit matt, da die Sonne mit Glut anstrahlte die Fluren;
341 Und sie lechzte vor Durst in der dörrenden Flamme des Himmels;
342 Auch war die Brust ihr erschöpft von den gierig saugenden Kindern.
343 Jetzo traf sie den Teich von besserer Flut in des Tales
344 Niedrungen: wo Landleute sich staudende Reiser zum Flechten
345 Sammelten, Binsen zugleich, und klobige Schilfe des Sumpfes.
346 Näher ging die Titanin, und senkend das Knie auf die Erde,
347 Neigte sie sich, zu schöpfen den Trunk des kühlen Gewässers.
348 Aber der ländliche Haufen verbot. Drauf sagte die Göttin:
349 Warum Wasser verwehrt? Zu aller Gebrauch ist das Wasser!
350 Eigen erschuf nicht Luft die Natur, noch eigen die Sonne,
351 Oder die lautere Flut! Am Gemeingut nehm' ich nur Anteil!
352 Dennoch erfleh' ich solches zur Gabe mir! Nicht ja gedacht' ich
353 Hier zu baden den Leib, und die abgematteten Glieder;
354 Sondern den Durst zu kühlen! Mit fehlt schon Feuchte zum Reden;
355 Trocken ist Zung' und Kehle; ja kaum noch lautet die Stimme!
356 Wassertrunk wird Nektar mir sein! Ja, das Leben verdank' ich
357 Euch mit dem Trunke zugleich; ihr gewährt mir Leben im Wasser!
358 Werdet durch diese gerührt, die hier im Busen die Händchen
359 Strecken nach euch! Und es traf sich, die Kindelein streckten die Hände.
360 Wen nicht hätten gerührt die schmeichelnden Worte der Göttin?
361 Dennoch bestehn sie zu hemmen die Bittende; Drohungen endlich,
362 Wo nicht fern sie entweiche, mit schmähender Lästerung fügt man.
363 Noch nicht genug: ihn selber umher mit Händen und Füßen
364 Machen sie trübe den Teich; und tief aufwühlend vom Grunde,
365 Regen sie weichen Morast ringsum mit neidischen Sprüngen.
366 Unmut täubte den Durst; nicht mag die Tochter des Cöus
367 Noch Unwürdigen flehn; es verdrießt, noch länger zu reden
368 Worte, der Göttin zu klein; und die Händ' aufhebend zum Himmel:
369 Lebt denn, sagte sie, ewig hinfort in jenem Gesümpfe!
370 Schnell war Tat, was die Göttin gewünscht. In die Fluten zu springen,
371 Freut sie und bald ganz unter den Pfuhl zu tauchen die Glieder,
372 Bald zu erheben das Haupt, und bald auf der Fläche zu schwimmen;
373 Oft sich über dem Bord zu sonnen am Sumpf, und hinab dann
374 Wieder zu plumpen in kühlende Flut. Noch jetzo beständig
375 Gellt von Zank die schmähliche Zung'; und der Schande nicht achtend,
376 Ob sie die Flut auch bedeckt, auch bedeckt noch schimpfen sie kecklich.
377 Selber der Ruf tönt rauh, und es schwillt der geblähete Hals auf,
378 Und viel weiter noch sperrt den gedehneten Rachen die Schmähung.
379 Schulter und Haupt sind gesellt, und scheinen den Hals zu verdrängen,
380 Grünlich gefärbt ist der Rücken, der groß vorragende Bauch weiß.
381 Jugendlich hüpfen herum im morastigen Sumpfe die Fröschlein.

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