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253 Rumor in ambiguo est; aliis uiolentior aequo
254 uisa dea est, alii laudant dignamque seuera
255 uirginitate uocant: pars inuenit utraque causas.
256 sola Iouis coniunx non tam, culpetne probetne,
257 eloquitur, quam clade domus ab Agenore ductae
258 gaudet et a Tyria collectum paelice transfert
259 in generis socios odium; subit ecce priori
260 causa recens, grauidamque dolet de semine magni
261 esse Iouis Semelen; dum linguam ad iurgia soluit,
262 profeci quid enim totiens per iurgia?' dixit,
263 ipsa petenda mihi est; ipsam, si maxima Iuno
264 rite uocor, perdam, si me gemmantia dextra
265 sceptra tenere decet, si sum regina Iouisque
266 et soror et coniunx, certe soror. at, puto, furto est
267 contenta, et thalami breuis est iniuria nostri.
268 concipit id derat manifestaque crimina pleno
269 fert utero et mater, quod uix mihi contigit, uno
270 de Ioue uult fieri: tanta est fiducia formae.
271 fallat eam faxo; nec sum Saturnia, si non
272 ab Ioue mersa suo Stygias penetrabit in undas.'
273 Surgit ab his solio fuluaque recondita nube
274 limen adit Semeles nec nubes ante remouit
275 quam simulauit anum posuitque ad tempora canos
276 sulcauitque cutem rugis et curua trementi
277 membra tulit passu; uocem quoque fecit anilem,
278 ipsaque erat Beroe, Semeles Epidauria nutrix.
279 ergo ubi captato sermone diuque loquendo
280 ad nomen uenere Iouis, suspirat et 'opto,
281 Iuppiter ut sit' ait; 'metuo tamen omnia: multi
282 nomine diuorum thalamos iniere pudicos.
283 nec tamen esse Iouem satis est: det pignus amoris,
284 si modo uerus is est; quantusque et qualis ab alta
285 Iunone excipitur, tantus talisque, rogato,
286 det tibi conplexus suaque ante insignia sumat!'
287 Talibus ignaram Iuno Cadmeida dictis
288 formarat: rogat illa Iouem sine nomine munus.
289 cui deus 'elige!' ait 'nullam patiere repulsam,
290 quoque magis credas, Stygii quoque conscia sunto
291 numina torrentis: timor et deus ille deorum est.'
292 laeta malo nimiumque potens perituraque amantis
293 obsequio Semele 'qualem Saturnia' dixit
294 te solet amplecti, Veneris cum foedus initis,
295 da mihi te talem!' uoluit deus ora loquentis
296 opprimere: exierat iam uox properata sub auras.
297 ingemuit; neque enim non haec optasse, neque ille
298 non iurasse potest. ergo maestissimus altum
299 aethera conscendit uultuque sequentia traxit
300 nubila, quis nimbos inmixtaque fulgura uentis
301 addidit et tonitrus et ineuitabile fulmen;
302 qua tamen usque potest, uires sibi demere temptat
303 nec, quo centimanum deiecerat igne Typhoea,
304 nunc armatur eo: nimium feritatis in illo est.
305 est aliud leuius fulmen, cui dextra cyclopum
306 saeuitiae flammaeque minus, minus addidit irae:
307 tela secunda uocant superi; capit illa domumque
308 intrat Agenoream. corpus mortale tumultus
309 non tulit aetherios donisque iugalibus arsit.
310 inperfectus adhuc infans genetricis ab aluo
311 eripitur patrioque tener (si credere dignum est)
312 insuitur femori maternaque tempora conplet.
313 furtim illum primis Ino matertera cunis
314 educat, inde datum nymphae Nyseides antris
315 occuluere suis lactisque alimenta dedere.
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253 Drob ist die Meinung geteilt. Zu hart scheint manchen Diana,
254 Andere nennen ihr Tun der streng jungfräulichen Sitte
255 Würdig und zollen ihr Lob. Grund finden so diese wie jene.
256 Jupiters Gattin allein verrät nicht, ob sie es tadelt
257 Oder belobt, doch über das Leid im Hause Agenors
258 Ist sie im Herzen erfreut, und sie trägt von der tyrischen Buhle
259 Über den Haß auf die Glieder des Stamms. Zu dem früheren Anlaß
260 Kommt als neuer der Schmerz, von des mächtigen Jupiter Samen
261 Semele schwanger zu sehn. Da löst sie die Zunge zum Schelten:
262 Was denn hab' ich erreicht durch all mein Schelten? begann sie,
263 Züchtigen muß ich sie selbst, verderben sie selbst, wenn ich heiße
264 Juno die Große mit Fug, wenn wirklich das funkelnde Zepter
265 Mir in der Rechten gebührt, wenn ich Königin, Schwester und Gattin
266 Jupiters bin, doch Schwester gewiß. Ich dächte, die Liebschaft
267 Wär' ihr genug, und kurz nur unseres Bettes Beschimpfung.
268 Doch sie empfängt - das noch! - und trägt im befruchteten Schoße
269 Deutliche Schuld und hofft, was ich kaum ward, von dem einen
270 Jupiter Mutter zu sein. So gibt ihr Dünkel die Schönheit.
271 Aber sie soll sich versehn! Nicht will ich Saturnia heißen,
272 Wenn ihr Jupiter nicht sie senkt zu den stygischen Wogen."
273 Damit steigt sie vom Thron, und geborgen in goldener Wolke
274 Kommt sie an Semeles Tür. Nicht eher entfernt sie die Wolke,
275 Bis sie ein Mütterchen war und die Schläfe verhüllet mit Grauhaar
276 Und sich die Haut mit Runzeln gefurcht und mit wankenden Schritten
277 Trug den gebogenen Leib und nachahmt sie die Stimme der Greisin.
278 Beroe schien sie der Fürstin, die Pflegerin aus Epidaurus.
279 Bald ein Gespräch anspannend, und dies abschwatzend und jenes,
280 Kamen sie nun zum Namen des Jupiter. Seufzend: O möcht' er,
281 Sprach sie, nur Jupiter sein! Doch sorg' ich alles; denn viele
282 Durften, wie Götter genannt, eingehn in keusche Gemächer.
283 Nicht daß er Jupiter sei, ist genug. Wahrzeichen der Liebe
284 Geb' er, wofern er es ist. Wie groß, und wie herrlich der hohen
285 Juno zu nahen er pflegt; so groß, und so herrlich erschein' er,
286 (Fordre das) dich zu umarmen, in eigener Göttlichkeit strahlend.
287 Also beredete Juno mit List der Kadmeerin Einfalt;
288 Und sie erbat ein Geschenk von Jupiter, ohn' es zu nennen.
289 Fordere, was dir gefällt, antwortet' er, alles gewähr' ich.
290 Und daß völlig du glaubst: auch des stygischen Stromes Gewalten
291 Sein uns Zeugen des Schwurs; selbst Göttern ein Graun ist die Gottheit.
292 Froh des Wehs, und zu reichlich begabt, und dem Tode durch blinde
293 Zärtlichkeit nahegeführt, sprach Semele: So wie der Juno
294 Du in deiner Gestalt als liebender Gatte dich nahest,
295 So gewähre dich mir. Den Mund der Redenden wollte
296 Schließen der Gott; doch entflohn war bereits die beschleunigte Bitte.
297 Jupiter seufzt; denn es kann so wenig ihr Wunsch ungewünscht sein,
298 Als ungeschworen sein Schwur. Drum steiget er, voll der Betrübnis,
299 Hoch zum Äther empor, und winkt nachfolgende Wolken
300 Hinter sich her; Platzregen und Leuchtungen, wehend mit Winden,
301 301 Fügt er dazu, auch Donner, und treffende Strahlen des Donners.
302 Aber er strebt, was er kann, sich selbst die Kräfte zu nehmen.
303 Nicht die Glut, die Typhöus den hundertarmigen nieder
304 Donnerte, waffnet ihn jetzt; zu groß ist die Heftigkeit jener.
305 Noch ein leichterer Blitz ist dort, dem die Hand der Zyklopen
306 Weniger Wut und Flamme verlieh, und weniger Zornes:
307 Zweites Geschoß von den Göttern genannt: Dies nimmt er, und wandelt
308 In das kadmeische Haus. Es ertrug den ätherischen Aufruhr
309 Nicht der sterblichen Leib; in dem Brautgeschenke verbrannt' er.
310 Aber die noch unzeitige Frucht wird dem Schoße der Mutter
311 Schleunig entrafft, und dem Vater das Kind (wenn glaublich die Sag' ist)
312 Sanft in die Hüfte genäht; wo die reifenden Mond' es erfüllet.
313 Ino erzog in der Wiege zuerst den geheimlichten Neffen.
314 Hierauf ward er der Pflege niseischer Nymphen vertrauet,
315 Die im Geklüft ihn bargen, und Milch ihm reichten zur Nahrung.
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