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633 Semifer interea diuinae stirpis alumno
634 laetus erat mixtoque oneri gaudebat honore;
635 ecce uenit rutilis umeros protecta capillis
636 filia centauri, quam quondam nympha Chariclo
637 fluminis in rapidi ripis enixa uocauit
638 Ocyroen: non haec artes contenta paternas
639 edidicisse fuit, fatorum arcana canebat.
640 ergo ubi uaticinos concepit mente furores
641 incaluitque deo, quem clausum pectore habebat,
642 adspicit infantem 'toto' que 'salutifer orbi
643 cresce, puer!' dixit; 'tibi se mortalia saepe
644 corpora debebunt, animas tibi reddere ademptas
645 fas erit, idque semel dis indignantibus ausus
646 posse dare hoc iterum flamma prohibebere auita,
647 eque deo corpus fies exsangue deusque,
648 qui modo corpus eras, et bis tua fata nouabis.
649 tu quoque, care pater, nunc inmortalis et aeuis
650 omnibus ut maneas nascendi lege creatus,
651 posse mori cupies, tum cum cruciabere dirae
652 sanguine serpentis per saucia membra recepto;
653 teque ex aeterno patientem numina mortis
654 efficient, triplicesque deae tua fila resoluent.'
655 restabat fatis aliquid: suspirat ab imis
656 pectoribus, lacrimaeque genis labuntur obortae,
657 atque ita 'praeuertunt' inquit 'me fata, uetorque
658 plura loqui, uocisque meae praecluditur usus.
659 non fuerant artes tanti, quae numinis iram
660 contraxere mihi: mallem nescisse futura!
661 iam mihi subduci facies humana uidetur,
662 iam cibus herba placet, iam latis currere campis
663 impetus est: in equam cognataque corpora uertor.
664 tota tamen quare? pater est mihi nempe biformis.'
665 talia dicenti pars est extrema querellae
666 intellecta parum confusaque uerba fuerunt;
667 mox nec uerba quidem nec equae sonus ille uidetur
668 sed simulantis equam, paruoque in tempore certos
669 edidit hinnitus et bracchia mouit in herbas.
670 tum digiti coeunt et quinos alligat ungues
671 perpetuo cornu leuis ungula, crescit et oris
672 et colli spatium, longae pars maxima pallae
673 cauda fit, utque uagi crines per colla iacebant,
674 in dextras abiere iubas, pariterque nouata est
675 et uox et facies; nomen quoque monstra dedere.
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633 Aber der Halbmensch war auf den Zögling göttlichen Stammes
634 Stolz indes, und er trug mit Freuden die ehrende Bürde.
635 Siehe, da kam, die Schulter umwallt von gelblichem Haupthaar,
636 Chirons Tochter daher, die einst die Nymphe Chariklo
637 Ihm an dem Ufer gebar des schnell hinrauschenden Stromes,
638 Und Ocyrhoe nannte. Ihr war die Künste des Vaters
639 Nicht genug zu erlernen; sie sang auch verborgenes Schicksal.
640 Diese demnach, da die Wut sie ergriff weissagender Ahnung,
641 Und sie entbrannte vom Gott, der tief im Herzen ihr wohnte,
642 Schaute das Kind: Heilbringer dem Kreis der Erde, so rief sie,
643 Wachse, du Knab', und gedeih! Dir wird von den sterblichen Leibern
644 Oft Genesung verdankt; du schaffst den entflohenen Seelen
645 Wiederkehr! Doch wagst du zum Trotz der Götter es einmal,
646 Nicht es von neuem zu tun, verwehrt dir die Flamme des Ahnen.
647 Dann aus dem Gott ein Leichnam erblassest du; und aus dem Leichnam
648 Schimmerst du wieder ein Gott; und zweimal ändert dein Schicksal.
649 Du auch, teuerster Vater, der nicht ein Sterblicher aufwuchs,
650 Sondern bestimmt, durch die Räume der Ewigkeit alle zu dauern,
651 Wünschest dir sterben zu können, wann einst der gräßlichen Schlange
652 Blut mit Qualen dich brennt, die verwundeten Glieder durchtobend.
653 Dir, dem Ewigen, gibt den Tod zu erdulden die Gottheit;
654 Und dir trennen die Faden die dreifach waltenden Schwestern.
655 Überig war den Geschicken noch einiges. Tief aus dem Herzen
656 Seufzet sie auf, und es feuchten ihr quellende Tränen das Antlitz.
657 Und: Mir eilet zuvor mein Schicksal! rief sie, gehemmet
658 Wird mir die Red', und versperrt der Gebrauch der eigenen Stimme!
659 Nicht ja galten die Künste mir so viel, welche der Gottheit
660 Rächender Zorn mir erweckt! O erkennt' ich nie doch die Zukunft!
661 Schon entwindet sich mir die menschliche Bildung, ich seh' es!
662 Schon lockt nährendes Kraut; schon ebenes Feld zu durchlaufen,
663 Drängt mich der Mut! Roß werd' ich, und nehme den Wuchs der Verwandtschaft!
664 Aber warum denn ganz? Ist doch zweileibig der Vater!
665 Also jammerte sie; der Schluß des Jammergetöns war
666 Minder verständlich bereits, ein Gewirr undeutlicher Worte;
667 Bald auch Worte nicht mehr; auch scheint's nicht Stimme des Rosses;
668 Aber, wie wenn sie ein Roß nachahmete. Völlig bestimmt nun,
669 Wieherte hell sie empor, und bewegte die Arm' in die Kräuter.
670 Jetzo kleben die Finger; es schließt fünf einzelne Nägel
671 Fest mit gediegenem Horne der Huf; auch das wachsende Antlitz
672 Steigt auf erhabenem Hals'; und das Ende des schleppenden Mantels
673 Wird zum Schweif, und das Haar, wie es wild den Nacken umwallte,
674 Legt sich rechts als Mähne hinab. Neu wurde gebildet
675 Stimme zugleich und Gestalt; den Namen auch gab ihr die Bildung.
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