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89 Aurea prima sata est aetas, quae uindice nullo,
90 sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
91 poena metusque aberant, nec uerba minantia fixo
92 aere legebantur, nec supplex turba timebat
93 iudicis ora sui, sed erant sine uindice tuti.
94 nondum caesa suis, peregrinum ut uiseret orbem,
95 montibus in liquidas pinus descenderat undas,
96 nullaque mortales praeter sua litora norant;
97 nondum praecipites cingebant oppida fossae;
98 non tuba derecti, non aeris cornua flexi,
99 non galeae, non ensis erat: sine militis usu
100 mollia securae peragebant otia gentes.
101 ipsa quoque inmunis rastroque intacta nec ullis
102 saucia uomeribus per se dabat omnia tellus,
103 contentique cibis nullo cogente creatis
104 arbuteos fetus montanaque fraga legebant
105 cornaque et in duris haerentia mora rubetis
106 et quae deciderant patula Iouis arbore glandes.
107 uer erat aeternum, placidique tepentibus auris
108 mulcebant zephyri natos sine semine flores;
109 mox etiam fruges tellus inarata ferebat,
110 nec renouatus ager grauidis canebat aristis;
111 flumina iam lactis, iam flumina nectaris ibant,
112 flauaque de uiridi stillabant ilice mella.
113 Postquam Saturno tenebrosa in Tartara misso
114 sub Ioue mundus erat, subiit argentea proles,
115 auro deterior, fuluo pretiosior aere.
116 Iuppiter antiqui contraxit tempora ueris
117 perque hiemes aestusque et inaequalis autumnos
118 et breue uer spatiis exegit quattuor annum.
119 tum primum siccis aer feruoribus ustus
120 canduit, et uentis glacies adstricta pependit;
121 tum primum subiere domos; domus antra fuerunt
122 et densi frutices et uinctae cortice uirgae.
123 semina tum primum longis Cerealia sulcis
124 obruta sunt, pressique iugo gemuere iuuenci.
125 Tertia post illam successit aenea proles,
126 saeuior ingeniis et ad horrida promptior arma,
127 non scelerata tamen; de duro est ultima ferro.
128 protinus inrupit uenae peioris in aeuum
129 omne nefas: fugere pudor uerumque fidesque;
130 in quorum subiere locum fraudesque dolusque
131 insidiaeque et uis et amor sceleratus habendi.
132 uela dabant uentis nec adhuc bene nouerat illos
133 nauita, quaeque prius steterant in montibus altis,
134 fluctibus ignotis insultauere carinae,
135 communemque prius ceu lumina solis et auras
136 cautus humum longo signauit limite mensor.
137 nec tantum segetes alimentaque debita diues
138 poscebatur humus, sed itum est in uiscera terrae,
139 quasque recondiderat Stygiisque admouerat umbris,
140 effodiuntur opes, inritamenta malorum.
141 iamque nocens ferrum ferroque nocentius aurum
142 prodierat, prodit bellum, quod pugnat utroque,
143 sanguineaque manu crepitantia concutit arma.
144 uiuitur ex rapto: non hospes ab hospite tutus,
145 non socer a genero, fratrum quoque gratia rara est;
146 inminet exitio uir coniugis, illa mariti,
147 lurida terribiles miscent aconita nouercae,
148 filius ante diem patrios inquirit in annos:
149 uicta iacet pietas, et uirgo caede madentis
150 ultima caelestum terras Astraea reliquit.
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89 Erst entsproßte das goldne Geschlecht, das, von keinem gezüchtigt,
90 Ohne Gesetz freiwillig der Treu und Gerechtigkeit wahrnahm.
91 Furcht und Strafe war fern. Nicht lasen sie drohende Worte
92 Auf dem gehefteten Erz; nicht bang vor des Richtenden Antlitz
93 Stand ein flehender Schwarm: ungezüchtiget waren sie sicher.
94 Nie vom eignen Gebirg', um der Fremdlinge Welt zu besuchen,
95 Stieg die gehauene Fichte hinab in die flüssige Woge:
96 Außer dem ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade.
97 Noch umgürteten nicht abschüssige Graben die Städte.
98 Nicht die grade Drommete von Erz, noch gewundene Hörner,
99 Auch nicht Helm war jetzo, noch Schwert: und der Söldner entbehrend,
100 Lebeten nun sorglos in behaglicher Ruhe die Völker.
101 Selbst annoch, unbeschatzt, und dem Karst nie pflichtig, noch jemals
102 Wund vom schneidenden Pflug, gab freudiger alles die Erde;
103 Und mit den Speisen vergnügt, die sonder Zwang sich erhuben,
104 Pflückten sie Arbutusfrucht, und des Bergtals würzige Erdbeern,
105 Auch des rauhen Geranks Brombeer, und die rote Kornelle,
106 Und vom gebreiteten Baume des Jupiter fallende Eicheln.
107 Ewig waltete Lenz, und sanft mit lauem Gesäusel
108 Fächelten Zephyrus Hauche die saatlos keimenden Blumen.
109 Bald auch gebar Feldfrüchte der ungeackerte Boden,
110 Ohn' Auffrischung ergraute die Flur von belasteter Ähre.
111 Rings nun Bäche von Milch, rings walleten Bäche von Nektar;
112 Rings auch tröpfelte gelb aus grünender Eiche der Honig.
113 Als Saturnus versank in des Tartarus Dunkel, und herrschend
114 Jupiter lenkte die Welt; da erwuchs die silberne Zeugung,
115 Weniger köstlich denn Gold, doch mehr als rötliches Erz noch.
116 Jupiter engte nunmehr der Urwelt ewigen Frühling,
117 Sonderte Winter, und Gluten, und herbstliche Ungewitter
118 Vom kurzblühenden Lenz, und schuf vier Räume des Jahres,
119 Jetzo geschah, daß die Lüfte, von trockener Schwüle gesenget,
120 Glüheten, und vor dem Winde das Eis hartstarrend herabhing.
121 Jetzo suchten sie Häuser zum Schirm: ihr Haus war die Höhle,
122 Oder ein dichtes Gestaud', und mit Bast verbundene Reiser.
123 Jetzt ward Samen der Ceres in langgezogenen Furchen
124 Untergescharrt, und es seufzt' im drängenden Joche der Pflugstier.
125 Hierauf folgte das dritte Geschlecht, von eherner Zeugung,
126 Wütender schon von Natur, und gewandt zu schrecklichen Waffen;
127 Doch unsündig annoch. Darin schloß die eiserne Abart.
128 Stracks nun stürmte daher in die Zeit der schlechteren Ader
129 Jeglicher Greu'l: es entflohen die Scham, und die Treu', und die Wahrheit;
130 Deren Stell' einnahmen der laurende Trug und die Arglist,
131 Heimliche Tück', und Gewalt, und die frevelnde Sucht zu gewinnen.
132 Unbekannteren Winden entfaltete Segel der Schiffer;
133 Und da sie lang' untätig auf luftigen Bergen gestanden,
134 Wagten die Kiele den Sprung durch nie erkundete Wasser.
135 Auch die Erde, zuvor wie Luft und Sonne gemeinsam,
136 Zeichnete jetzt vorsichtig mit langer Grenze der Messer.
137 Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
138 Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefen der Erde,
139 Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
140 Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen.
141 Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
142 Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
143 Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
144 Nun lebt alles vom Raub, kein Gastfreund schonet den Gastfreund,
145 Noch der Eidam den Schwäher; auch liebende Brüder sind selten.
146 Meuchlerisch stellet das Weib dem Gemahl nach, dieser der Gattin;
147 Und Stiefmütter bereiten aus falbem Kraute den Gifttrank;
148 Selber auch späht voreilend der Sohn nach den Jahren des Vaters.
149 Frömmigkeit sank vor Gewalt; Asträa selber, die Jungfrau,
150 Floh, der Himmlischen letzte, die blutgefeuchteten Länder.
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