Herakles

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Herakles oder Herkules (griechisch Ἡρακλῆς - Hēraklēs, „Der, der sich an Hera Ruhm erwarb“, lateinisch Hercules) war der Sohn des Zeus und der Alkmene, Zwillingsbruder des Iphikles, erster Gatte der Megara, zweiter Gatte der Omphale, Gatte der Deianeira, nach einigen Gatte der Auge und nach seinem Tode Gatte der Hebe; außerdem Geliebter der Iole und des Abderos. Vater zahlreicher Kinder, siehe Herakleiden. Herakles war Vetter und Freund des Oionos, Urgroßvater des Hippotes und des Deiphontes und Vorfahre des Polyphontes. Sein Ziehvater ist Amphitryon. Über die Genealogie seiner Mutter gehört er zu dem Geschlecht der Persiden.

Siehe auch: Stammbaum der griechischen Götter und Helden

Herakles ist ein für seine Stärke berühmter allgriechischer Nationalheros, dem göttliche Ehren zukamen und der in den Olymp aufgenommen wurde. Er war Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Gymnasia (Sportstätten) und Paläste. Er war ein Schützling der Athene.

Seine Attribute sind das Fell des Kithäronischen Löwens, Keule, Bogen und Köcher.

Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Herakles_meyers.png


Inhaltsverzeichnis

Geburt

Herakles mit zwei Schlangen, Werk aus dem 2. Jahrhundert in den Kapitolinischen Museen in Rom Herakles mit zwei Schlangen, Werk aus dem 2. Jahrhundert in den Kapitolinischen Museen in Rom

Zeus verliebte sich einst in die schöne Alkmene (und kam zu ihr in Gestalt ihres Ehemannes). Als ihr Gemahl Amphitryon zurückkehrte, fiel der Schwindel auf. Er verzieh seiner unwissenden Frau und zeugte mit ihr Iphikles, den Zwillingsbruder von Herakles. Alkmene gebar also zwei Söhne – Herakles und Iphikles (letzterer als Sohn zweier Sterblicher ohne außergewöhnliche Kräfte). Weil Amphitryon seinen Onkel und Schwiegervater Elektryon erschlagen hatte, war er aus Mykene geflohen. So wurde Herakles in Theben geboren (Homers Ilias.19,97ff.).

Hera, die Gemahlin des Zeus, wurde aus Eifersucht zur lebenslangen Verfolgerin des Herakles. Als die Geburt von Herakles und seinem Zwillings-Halbbruder Iphikles (Sohn des Amphitryon) bevorstand, verkündete Zeus, dass das erstgeborene Kind aus dem Hause des Perseus der Herr über Mykene werden solle. Darum hatte ihn Hera gebeten, um ihn zu überlisten. Sie verzögerte die Wehen von Alkmene und ließ zunächst Eurystheus, den Sohn des Sthenelus, eines Onkels Amphitryons, zur Welt kommen und erst dann Herakles, der somit diesem nun Untertan war.

Alkmene setzte den Säugling aus Angst vor Heras Rache aus. Seine Halbschwester Athena, die auch später als Schutzgöttin eine wichtige Rolle spielt, nahm ihn an sich und brachte ihn zu Hera. Diese erkannte Herakles nicht und säugte ihn aus Mitleid. Dabei saugte Herakles jedoch so stark, dass er Hera Schmerzen zufügte und diese ihn von sich stieß. Doch durch die göttliche Milch erhielt Herakles seine übernatürlichen Kräfte. Athena brachte das Kind zu seiner Mutter zurück. Herakles wuchs bei seinen Eltern auf. Er war gerade acht Monate alt, als Hera zwei riesige Schlangen in das Gemach der Kinder schickte. Iphikles weinte vor Angst, doch da ergriff sein Bruder die beiden Schlangen und erwürgte sie. Der Seher Teiresias, den der erstaunte Amphitryon kommen ließ, prophezeite dem Kind eine ungewöhnliche Zukunft. Zahlreiche Ungetüme werde er besiegen.


Taten

Herakles wurde in den Künsten des Wagenlenkens, Bogenschießens, Fechtens, im Faustkampf und Ringen unterrichtet. Auch wurde ihm der Gesang und das Spielen auf der Leier beigebracht. Er war zwar sehr gelehrig, doch lebenslang bis zum Wahnsinn jähzornig. So erschlug er seinen Musiklehrer Linos mit der Leier, als dieser ihn zu Unrecht tadelte. Sein Pflegevater König Amphitryon schickte ihn daraufhin, wohl aus Furcht vor seiner ungebändigten Kraft, auf den Kithairon zu seinen Rinderherden. Hier wuchs er unter den Hirten zu einem Jüngling heran.

In diese Zeit verlegt der Sophist Prodikos die sinnreiche Fabel von „Herakles am Scheideweg“:

Eines Tages kam der junge Herakles an eine Weggabel, wo dem einsam sinnenden Jüngling, zwei Frauen von hoher, aber sehr verschiedener Gestalt entgegen traten. An einem Weg stand eine Frau in kostbaren Gewändern, üppig geputzt, am anderen hingegen eine Frau in schlichter Kleidung, die bescheiden den Blick senkte. Zuerst sprach ihn die prächtige Frau (die Lust) an: „Wenn du meinem Weg folgst, Herakles, so wirst du ein Leben voller Genuss und Reichtum haben. Weder Not noch Leid werden dir hier begegnen, sondern nur die Glückseligkeit!“ Dann die andere (die Tugend): „Die Liebe der Götter und seiner Mitmenschen lassen sich nicht ohne Mühsal erreichen. Auf dem Weg der Tugend (griechisch areté) wird dir viel Leid widerfahren, doch dein Lohn werden Achtung, Verehrung und Liebe der Menschen sein. Nur du kannst entscheiden, welcher Weg der deinige sein soll.“ Herakles entschied sich, dem Pfad der Arete und Ehre zu folgen. (Daher die Redensart von Herakles am Scheideweg.)

Aus jener Zeit des Hirtenlebens berichtet Apollodor noch folgendes Abenteuer:

Auf dem Kithäron, an welchem die Herden des Amphitryon und des Thespios weideten, hauste ein Löwe, den Herakles zu bekämpfen unternahm. Thespios gab dem jungen Helden hierfür 50 Tage hindurch jede Nacht eine seiner 50 Töchter zur Umarmung, von denen darauf 50 Söhne geboren wurden. Nach langem Kampf erlegte sodann Herakles den Löwen und trug seitdem dessen Haut statt seines gewöhnlichen Gewandes, wozu später noch die einem Ölbaum bei Nemea entnommene Keule kam (daher sein römischer Beiname Claviger).

„Herkules und der nemäische Löwe“, Vase von 500-475 v.Chr., Louvre „Herkules und der nemäische Löwe“, Vase von 500-475 v.Chr., Louvre

Bei seiner Rückkehr nach Theben begegnete Herakles den Gesandten des orchomenischen Königs Erginos, welche einen den Thebanern abgedrungenen Tribut von 100 Ochsen holen wollten. Er schnitt ihnen Nasen und Ohren ab, schickte sie gefesselt nach Hause und zwang in dem darauf folgenden Krieg die Orchomenier, den empfangenen Tribut doppelt zurückzuerstatten. Schnell verbreitet sich der Ruhm seiner Taten. Kreon, der König von Theben, gab ihm zum Lohn seine Tochter Megara zur Frau, mit der er drei Söhne zeugte. Darauf rief Eurystheus ihn in seine Dienste, welchem er anfangs seine Dienstbarkeit verweigerte. Doch die rachsüchtige Hera schlug ihn mit Wahnsinn. Darin verfangen erschlug Herakles seine Frau Megara und seine mit ihr erzeugten drei Kinder.

(Hiermit ist der Kult des phönikischen Sonnengottes, der mit Kinderopfern versöhnt wird, hinreichend bezeichnet) In jenem Orakel soll er zuerst Herakles genannt worden sein, als der Held, welcher durch die Verfolgungen der Hera Ruhm erlange, während er bisher Alkaeos oder der Alkide hieß.

Als der Anfall von ihm wich und er seine schreckliche Tat vor Augen sah, ergriff ihn tiefe Bekümmernis. Schließlich fragte er das Orakel von Delphi um Rat. Da antwortete die Pythia: „Entsühnung für deine schreckliche Mordtat erlangst du nur, wenn du dich zwölf Jahre in den Dienst des Eurystheus stellst und die von ihm geforderten Taten erfüllst.“ Herakles tat, wie ihm das Orakel geheißen hatte. Bewaffnet mit einer Keule, die er selbst geschnitzt hatte, einem von Hermes geschenkten Schwert sowie Pfeil und Bogen, die er von Apollon erhalten hatte, ging er nach Argos zu König Eurystheus. Dieser gab ihm insgesamt zwölf Aufgaben, die Arbeiten des Herakles, die er allesamt bewältigte.

Der bestimmt abgeschlossene Kreis derselben scheint nicht ohne Einfluss des Kultus des phönikischen Melkart, welcher die feindlichen Zeichen des Tierkreises zu überwinden hat, entstanden zu sein. Eine dichterische Verherrlichung haben diese Arbeiten, soweit wir sehen, zuerst durch Pisander von Kameiros (um 650 v. Chr.) erfahren. Die Zusammensetzung und Reihenfolge derselben wird verschieden angegeben.

Ein andermal musste er als Buße für seinen Jähzorn der lydischen Königin Omphale drei Jahre als Sklave dienen. In diese Zeit der Knechtschaft verlegt Apollodor die Teilnahme des Herakles gemeinsam mit seinem Freund Hylas am Argonautenzug und an der Jagd des Kalydonischen Ebers sowie die Bestrafung des Syleus, Lytierses und der Kerkopen. Danach vollbrachte er zahlreiche weitere Taten.


Die zwölf Arbeiten des Herakles

(„Dodekathlos“) für Eurystheus


1. Die Erlegung des Nemëischen Löwen. Dessen Fell trug er von nun an – es machte ihn nahezu unverwundbar.
2. Die Tötung der neunköpfigen Hydra (Lernäischen Schlange), in deren giftigem Blut er seine Pfeile tränkte.
3. Das Einfangen der Kerynitischen Hirschkuh.
4. Das Einfangen des Erymanthischen Ebers.
5. Das Ausmisten der Rinderställe des Augias (da das eine entehrende Arbeit war, musste er hier einen besonderen Weg wählen, nämlich durch den Stall einen nahe gelegenen Fluss zu leiten).
6. Die Ausrottung der Stymphalischen Vögel.
7. Das Einfangen des Kretischen Stiers.
8. Die Zähmung der menschenfressenden Pferde des Diomedes (Thrakien).
9. Die Herbeischaffung des Wehrgehänges der Amazonenkönigin Hippolyte (danach rettete er auch eine Prinzessin vor einem Seeungeheuer).
10. Der Raub der Rinderherde des Riesen Geryon.
11. Das Pflücken goldener Äpfel der Hesperiden (dafür musste er bis zu den Säulen des Herakles auf Gibraltar).
12. Das Heraufbringen des Wachhundes der Unterwelt Kerberos an die Oberwelt.


Herakles' Ende

Herakles heiratete ein zweites Mal, die Königstochter Deïaneira. Mit ihr musste er einen Fluss überqueren, der Hochwasser führte. Der Kentaur Nessos erbot sich, die junge Frau trockenen Fußes auf seinem Rücken hinüber zu tragen, galoppierte aber dann mit ihr davon. Herakles schoss ihm einen seiner tödlichen Pfeile nach und traf ihn. Als Nessos im Sterben lag, gab er, bevor Herakles herangekommen war, der Frau einen tückischen Rat: „Fange ein wenig von meinem Blut auf und bewahre es. Wenn du fürchtest, die Liebe des Herakles zu verlieren, tränke damit sein Gewand und er wird nie wieder eine andere Frau als dich ansehen.“ Sein Blut aber war durch den Todespfeil vergiftet.

Jahre später schien sich Herakles einer erbeuteten Schönen (Iole) zuzuwenden. Da legt die eifersüchtige Deïanira ihm das von ihr blutgetränkte Untergewand hin (als „Nessoshemd“ zur stehenden Redensart geworden). Sofort befielen den Held entsetzliche Schmerzen. Er versuchte, das Hemd abzulegen, aber es hatte sich fest mit seiner Haut verbunden und er riss zugleich sein Fleisch mit ab. Deïaneira tötete sich aus Verzweiflung. Um seinen unerträglichen Qualen ein Ende zu bereiten, schichtete Herakles auf dem Berg Öta, welcher für das Ende des Herakles durch das Orakel von Delphi einst verkündet wurde, sich einen Scheiterhaufen und ließ sich durch Philoktetes darauf lebend verbrennen. So traf die Prophezeiung ein, dass er durch jemanden sterben sollte, der selbst nicht mehr am Leben war. Doch wurde er aus den Flammen zum Olymp entrückt, wo ihm – als Einzigem unter den Sterblichen – die Unsterblichkeit verliehen wurde. Seine Qualen begütigten endlich Hera, und Herakles wurde mit ihrer Tochter Hebe, der Göttin der Jugend vermählt.

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